LDAC oder aptX?
LDAC oder aptX? LDAC bietet die höhere maximale Datenrate und läuft auf fast jedem Android-Smartphone, ist bei voller Qualität aber störanfällig. aptX Adaptive überträgt etwas weniger Daten, passt sich dafür stabiler an die Funkbedingungen an und bietet eine niedrigere Latenz für Videos und Spiele. Ob du den Unterschied im Alltag hörst, ist allerdings fraglich, und am iPhone spielt keiner der beiden Codecs eine Rolle.
LDAC vs. aptX auf einen Blick
| Kriterium | LDAC | aptX Adaptive |
|---|---|---|
| Entwickler | Sony | Qualcomm |
| Maximale Datenrate | bis 990 kbit/s | variabel, im Standardbetrieb deutlich darunter |
| Auflösung | bis 24 Bit / 96 kHz | bis 24 Bit / 96 kHz (je nach Gerät) |
| Stabilität | Bei 990 kbit/s störanfällig | Passt sich automatisch an |
| Latenz | Eher hoch | Niedriger Modus für Spiele und Video |
| Smartphone-Unterstützung | Fast alle Android-Geräte seit Android 8 | Vor allem Geräte mit Snapdragon-Chip |
| iPhone | Nein | Nein |
Ein Codec ist das Verfahren, mit dem Musik für die Bluetooth-Übertragung komprimiert und im Kopfhörer wieder entpackt wird. Einen Überblick über alle gängigen Verfahren wie SBC, AAC und LC3 findest du unter Bluetooth-Codecs. Hier geht es nur um das Duell der beiden bekanntesten Hi-Res-Codecs.
Welcher Codec überträgt mehr Daten?
Gewinner: LDAC. Sonys LDAC arbeitet mit drei Stufen: 330, 660 und 990 kbit/s. Im höchsten Modus überträgt er mehr Daten als jeder andere verbreitete Bluetooth-Codec. Zum Vergleich: Eine CD hat rund 1.411 kbit/s. Auch LDAC ist damit nicht verlustfrei, kommt aber nah heran.
aptX Adaptive arbeitet mit variabler Datenrate. Im Normalbetrieb liegt sie unter der von LDAC, bei Smartphones mit neueren Snapdragon-Chips und passenden Kopfhörern ist unter dem Namen aptX Lossless auch eine verlustfreie Übertragung in CD-Qualität möglich, sofern die Funkbedingungen sehr gut sind. Diese Kombination ist in der Praxis aber noch selten.
Welcher ist im Alltag stabiler?
Gewinner: aptX Adaptive. Bluetooth teilt sich das Funkband mit WLAN, Mikrowellen und vielen anderen Geräten. In einem vollen Bahnhof oder einer Großstadt-U-Bahn kann es eng werden. LDAC mit 990 kbit/s reagiert darauf mit Aussetzern, viele Smartphones schalten deshalb standardmäßig in einen automatischen Modus, der die Datenrate bei Bedarf senkt.
aptX Adaptive wurde genau dafür entwickelt: Es passt die Datenrate laufend an die Verbindungsqualität an, ohne dass du etwas einstellen musst. Das führt zu weniger Aussetzern. Der Preis ist, dass du nie genau weißt, mit welcher Qualität gerade übertragen wird, aber das gilt für LDAC im Automatikmodus ebenso.
Was ist besser für Videos und Spiele?
Gewinner: aptX Adaptive. Latenz ist die Verzögerung zwischen Bild und Ton. LDAC ist auf Klangqualität optimiert und hat eine vergleichsweise hohe Latenz. Bei Videos gleichen die meisten Apps das automatisch aus, bei Spielen hörst du Schüsse oder Sprünge aber spürbar zu spät.
aptX Adaptive bietet einen Modus mit niedriger Latenz, der Spiele deutlich angenehmer macht. Für kompetitives Gaming bleibt ein Kabel oder ein Funk-Dongle trotzdem die beste Lösung. Mehr dazu unter Bluetooth-Kopfhörer mit geringer Latenz.
Welches Smartphone unterstützt was?
Gewinner: LDAC. Google hat LDAC mit Android 8 in das Betriebssystem integriert. Dadurch funktioniert es auf praktisch allen aktuellen Android-Smartphones, unabhängig vom Chip-Hersteller. aptX Adaptive benötigt dagegen Unterstützung durch den Chip, was vor allem Smartphones mit Qualcomm-Snapdragon-Prozessor betrifft. Auch dann entscheidet der Hersteller, ob er die Funktion freischaltet.
Apple unterstützt weder LDAC noch aptX. iPhones, iPads und Macs nutzen AAC, das gut klingt und von Apple sehr effizient umgesetzt wird. Wer ein iPhone hat, muss bei der Kopfhörerwahl also nicht auf Codecs achten.
Welche Kopfhörer unterstützen welchen Codec?
LDAC findest du vor allem bei Sony, etwa beim WH-1000XM6 und WF-1000XM6, aber auch bei vielen Modellen von Soundcore, Dyson und weiteren Herstellern. aptX Adaptive ist bei Sennheiser verbreitet, etwa beim Momentum 4, und bei vielen Kopfhörern mit Qualcomm-Chip. Einige Modelle unterstützen beide Codecs. Passende Empfehlungen findest du unter LDAC-Kopfhörer und aptX-Kopfhörer.
Ein Beispiel aus der Praxis: Im Vergleich Dyson OnTrac oder AirPods Max 2? unterstützt der Dyson LDAC, die AirPods Max 2 nur AAC. Am Android-Smartphone ist das ein kleiner Vorteil für den Dyson, am iPhone spielt es keine Rolle.
Hörst du den Unterschied überhaupt?
Ehrliche Antwort: meistens nicht. Der Einfluss des Codecs auf den Klang ist kleiner als der von Abstimmung, Sitz und Abdichtung des Kopfhörers. Ein schlecht sitzender In-Ear klingt mit LDAC schlechter als ein gut sitzender mit AAC. Dazu kommt, dass viele Streaming-Dienste in der Standardeinstellung ohnehin komprimierte Dateien liefern.
Einen Unterschied hörst du am ehesten mit verlustfreien Quellen, gutem Over-Ear-Kopfhörer, in ruhiger Umgebung und mit geübtem Gehör. Im Bus mit Hintergrundlärm verschwindet er. Wer maximale Klangqualität sucht, ist mit einem Kabelkopfhörer besser bedient. Den Unterschied zweier Studio-Klassiker zeigt etwa DT 770 Pro oder DT 990 Pro?.
Was ist mit aptX HD und aptX Classic?
Unter dem Namen aptX laufen mehrere Varianten, was beim Kauf schnell verwirrt. Das klassische aptX ist der älteste Ableger, mit fester, eher niedriger Datenrate. aptX HD erhöht Datenrate und Auflösung, ist aber nicht adaptiv. aptX Low Latency war auf geringe Verzögerung spezialisiert und ist inzwischen weitgehend in aptX Adaptive aufgegangen.
Wenn ein Datenblatt nur „aptX“ nennt, ist meist die klassische Variante gemeint. Für den Vergleich mit LDAC ist das relevant, weil das alte aptX deutlich weniger Daten überträgt. Achte deshalb auf die genaue Bezeichnung. Ein Kopfhörer mit aptX Adaptive ist in der Regel abwärtskompatibel und nutzt mit älteren Smartphones automatisch die einfacheren Varianten.
Kostet ein Hi-Res-Codec mehr Akku?
Ja, in der Regel schon. Je mehr Daten übertragen werden, desto mehr arbeiten Funkchip und Decoder. Hersteller wie Sony weisen bei ihren Kopfhörern teilweise darauf hin, dass die Laufzeit mit LDAC kürzer ausfällt als mit AAC oder SBC. Wenn du lange unterwegs bist und die Akkulaufzeit wichtiger ist als die letzte Nuance im Klang, kannst du in der App oder in den Android-Einstellungen bewusst auf einen sparsameren Modus wechseln. Gerade bei Podcasts und Hörbüchern verlierst du dabei nichts Hörbares.
Und was ist mit LE Audio?
Mit LE Audio und dem Codec LC3 kommt eine neue Bluetooth-Generation, die effizienter arbeitet und Funktionen wie Auracast ermöglicht, bei dem mehrere Kopfhörer einen Sender empfangen. LC3 zielt weniger auf Hi-Res als auf gute Qualität bei geringerem Stromverbrauch. Für die Zukunft ist das relevant, für die Frage LDAC oder aptX heute noch nicht entscheidend. Details unter LE-Audio- und Auracast-Kopfhörer.
Fazit: Welcher Codec ist besser für dich?
LDAC ist die bessere Wahl, wenn du ein Android-Smartphone ohne Snapdragon-Chip hast, gern Sony-Kopfhörer nutzt und vor allem zu Hause in ruhiger Umgebung mit hochwertigen Quellen hörst.
aptX Adaptive ist die bessere Wahl, wenn dein Smartphone es unterstützt, du viel unterwegs in vollen Funkumgebungen hörst oder Videos und Spiele mit geringer Verzögerung willst.
Keiner von beiden spielt eine Rolle, wenn du ein iPhone nutzt. Wähle deinen Kopfhörer dann nach Klang, Komfort und Funktionen. Weitere Duelle findest du unter Kopfhörer-Vergleiche.
Häufige Fragen
Klingt LDAC besser als aptX?
Theoretisch ja, weil LDAC eine höhere maximale Datenrate hat. In der Praxis ist der Unterschied sehr klein und hängt stark von Quelle, Kopfhörer und Umgebung. Viele Menschen hören in Blindtests keinen Unterschied.
Unterstützt das iPhone LDAC oder aptX?
Nein. Apple nutzt für Bluetooth-Kopfhörer ausschließlich AAC und SBC. Kopfhörer mit LDAC oder aptX funktionieren am iPhone trotzdem, nutzen dann aber AAC.
Wie aktiviere ich LDAC auf meinem Android-Handy?
Meist wird LDAC automatisch genutzt, wenn Kopfhörer und Smartphone es unterstützen. Bei einigen Geräten musst du es in den Bluetooth-Einstellungen des Kopfhörers aktivieren. In den Entwickleroptionen von Android lässt sich zudem die Qualitätsstufe wählen.
Ist LDAC verlustfrei?
Nein. Auch im höchsten Modus mit 990 kbit/s wird die Musik komprimiert, wenn auch nur leicht. Eine CD benötigt rund 1.411 kbit/s. Echte verlustfreie Übertragung bieten nur ein Kabel oder spezielle Lösungen wie aptX Lossless unter idealen Bedingungen.