Frequenzgang bei Kopfhörern
Der Frequenzgang zeigt, wie laut ein Kopfhörer tiefe, mittlere und hohe Töne im Verhältnis zueinander wiedergibt. Er ist damit die wichtigste Messgröße für die tonale Abstimmung, also ob ein Modell basslastig, neutral oder hell klingt. Die Angabe „20 bis 40.000 Hz“ auf der Verpackung verrät dagegen kaum etwas, denn sie nennt nur den Umfang, nicht die Form der Kurve.
Was ist der Frequenzgang bei Kopfhörern?
Jeder Ton hat eine Frequenz, gemessen in Hertz (Hz). Ein tiefer Basston liegt bei etwa 50 Hz, die Grundtöne einer Stimme grob zwischen 100 und 300 Hz, das Zischen eines S-Lauts im Bereich mehrerer tausend Hertz. Junge Menschen hören grob von 20 Hz bis 20.000 Hz, mit dem Alter sinkt vor allem die obere Grenze.
Ein Frequenzgang ist eine Kurve: Auf der waagerechten Achse stehen die Frequenzen von tief nach hoch, auf der senkrechten Achse der Schalldruckpegel in Dezibel (dB). Liegt die Kurve im Bass höher als in den Mitten, betont der Kopfhörer den Bass. Fällt sie in den Höhen ab, klingt er eher warm und gedeckt.
Warum die Angabe auf der Packung wenig sagt
Steht auf dem Karton „Frequenzbereich 5 Hz bis 40.000 Hz“, heißt das nur, dass der Kopfhörer in diesem Bereich überhaupt etwas wiedergibt. Ob ein Ton dabei 20 dB leiser ist als ein anderer, steht dort nicht. Ohne Toleranzangabe wie „±3 dB“ sind solche Zahlen kaum vergleichbar.
Frequenzen über 20.000 Hz hört ein Erwachsener ohnehin nicht. Erweiterte Angaben stammen oft aus dem Umfeld von Hi-Res-Zertifizierungen und sind eher Marketing als Hörgewinn. Mehr dazu unter Hi-Res Audio.
So liest du eine Messkurve
Du musst kein Akustiker sein, um eine Kurve grob zu deuten. Teile sie gedanklich in Bereiche ein:
| Bereich | Frequenzen (grob) | Was du hörst |
|---|---|---|
| Tiefbass | 20 bis 60 Hz | Grollen, Druck bei elektronischer Musik und Filmen |
| Oberbass | 60 bis 250 Hz | Kickdrum, Bassgitarre, Wärme |
| Mitten | 250 Hz bis 2 kHz | Stimmen, Gitarren, Klavier |
| Präsenz | 2 bis 6 kHz | Deutlichkeit, aber auch Schärfe |
| Höhen | 6 bis 20 kHz | Becken, Luftigkeit, S-Laute |
Eine Kurve, die zwischen 2 und 4 kHz ansteigt, ist kein Fehler. Unser Ohr verstärkt diesen Bereich von Natur aus, deshalb muss ein Kopfhörer ihn messtechnisch anheben, damit er neutral klingt. Gemessen wird mit einem Kunstkopf oder Ohrsimulator, der diese Eigenschaft nachbildet. Darum sieht eine „gut klingende“ Kurve nie wie eine gerade Linie aus.
Als Referenz legen viele Messseiten eine Zielkurve darunter. Die bekannteste ist die Harman-Kurve, die auf Hörtests mit vielen Probanden beruht. Abweichungen davon sind keine Fehler, sondern zeigen den Charakter: mehr Bass, zurückhaltendere Höhen, betonte Stimmen.
Was der Frequenzgang nicht zeigt
Die Kurve beschreibt die tonale Balance, aber nicht alles, was du hörst. Räumlichkeit, Verzerrungen bei hoher Lautstärke oder wie schnell ein Treiber auf Impulse reagiert, stehen nicht darin. Wie verschiedene Treibertypen das beeinflussen, erklärt Kopfhörer-Treiber im Überblick.
Außerdem hängt der Frequenzgang stark von der Passform ab. Bei In-Ears kann ein undichter Sitz den Bass fast vollständig verschwinden lassen. Bei Over-Ears verändern Brillenbügel oder dicke Haare die Abdichtung. Zwei Personen hören denselben Kopfhörer deshalb nie exakt gleich.
Bei Modellen mit aktiver Technik kommt noch etwas hinzu: Noise Cancelling, der Transparenzmodus oder eine automatische Lautstärkeanpassung können die Abstimmung je nach Modus leicht verschieben. Gute Messungen geben deshalb an, in welchem Modus gemessen wurde.
Was das beim Kauf bedeutet
- Kenne deine Vorliebe. Magst du kräftigen Bass, suche Kurven mit deutlicher Anhebung unter 200 Hz. Hörst du viele Podcasts, ist ein sauberer Mittenbereich wichtiger.
- Achte auf Spitzen in den Höhen. Schmale, hohe Ausschläge zwischen 5 und 10 kHz deuten auf einen Kopfhörer hin, der bei langen Sessions anstrengend wirken kann.
- Vergleiche nur Messungen derselben Quelle. Unterschiedliche Messaufbauten liefern unterschiedliche Kurven. Ein Vergleich zwischen zwei Webseiten führt schnell zu Fehlschlüssen.
- Nutze den Equalizer. Viele Bluetooth-Kopfhörer lassen sich per App anpassen. Ein Kopfhörer mit leicht unpassender Abstimmung kann so trotzdem gut zu dir passen. Wie das geht, steht unter Kopfhörer-Equalizer einstellen.
Häufige Irrtümer
„Je größer der Frequenzbereich, desto besser“
Der Umfang auf der Packung sagt nichts über die Qualität innerhalb des hörbaren Bereichs. Ein Kopfhörer mit „nur“ 20 bis 20.000 Hz kann deutlich ausgewogener klingen als einer mit 4 bis 50.000 Hz.
„Eine flache Kurve klingt am natürlichsten“
Wegen der Eigenschaften des Ohrs wirkt ein gemessen flacher Kopfhörer meist dünn und hart. Neutral heißt hier: so abgestimmt, dass er wie gute Lautsprecher in einem Raum klingt.
„Hohe Impedanz bedeutet besseren Klang“
Die Impedanz beschreibt den elektrischen Widerstand und damit, wie viel Leistung ein Kopfhörer braucht. Mit der tonalen Abstimmung hat sie direkt nichts zu tun.
Passende Modelle für bestimmte Klangvorlieben findest du unter HiFi-Kopfhörer und Studio-Kopfhörer. Weitere Grundlagen erklärt der Kopfhörer-Ratgeber.
Häufige Fragen
Welcher Frequenzgang ist gut für Kopfhörer?
Es gibt keinen einzigen richtigen Frequenzgang. Viele Hörer bevorzugen eine Abstimmung nahe der Harman-Zielkurve mit etwas angehobenem Bass und einer moderaten Präsenzanhebung. Entscheidend ist, dass keine schmalen Spitzen in den Höhen die Wiedergabe scharf machen.
Was bedeutet 20 Hz bis 20 kHz bei Kopfhörern?
Das ist der Frequenzbereich, den der Kopfhörer laut Hersteller wiedergeben kann, und entspricht grob dem menschlichen Hörbereich. Über die Klangqualität sagt die Angabe wenig, weil sie nicht zeigt, wie laut die einzelnen Frequenzen im Verhältnis zueinander sind.
Wo finde ich Frequenzgang-Messungen?
Unabhängige Messseiten und Fachmagazine veröffentlichen Messkurven zu vielen Modellen. Achte darauf, Kurven nur innerhalb derselben Quelle zu vergleichen, da sich Messaufbauten unterscheiden. Herstellerangaben enthalten meist keine vollständigen Kurven.
Kann ich den Frequenzgang meiner Kopfhörer ändern?
Ja, mit einem Equalizer in der Hersteller-App, im Smartphone oder am PC. Damit lassen sich Bass, Mitten und Höhen anheben oder absenken. Auch andere Ohrstöpsel oder Ohrpolster verändern den Klang, weil sie die Abdichtung beeinflussen.